GEW-Kreisverband Gelnhausen organisiert erste virtuelle Mitgliederversammlung

Am Donnerstag, den 3.12.2020 gab es beim Kreisverband Gelnhausen der GEW eine Premiere: Angesichts der Pandemie-Lage im Main-Kinzig-Kreis hatte sich der Vorstand dazu entschlossen, die im Herbst übliche Mitgliedersammlung online abzuhalten.

Der Abend stand unter der Überschrift „Corona und die Bildungs- und Erziehungsstätten – Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen“. Herbert Graf vom Vorsitzendenteam erläuterte in einem einführenden Vortrag, wie in den vergangenen neun Monaten schulisches Leben beeinträchtigt wurde. So hätten geschlossene Schulen, Distanzunterricht, organisatorische Änderungen mit umfangreichen Hygienemaßnahmen, häufig wechselnde Stundenpläne, kurzfristige- oft sich überstürzende-Anweisungen durch die Schulbehörden und dem Gesundheitsamt als völlig neuem Akteur das schulische Arbeiten und Leben erschwert. Dies habe zu erheblichem Arbeitsaufwand geführt. „Manches Kollegium, viele Lehrkräfte und Schulleitungen kamen in dieser Zeit an die Grenze ihrer Kräfte“, führte er aus. Mario Wagner, ebenfalls im Vorsitzendenteam, das durch Heike Rickert-Fischer komplettiert wird, ergänzte rechtliche und personalvertretungsrechtliche Möglichkeiten, gegen Missstände vorzugehen.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Gewerkschafter_innen genaue Vorstellungen davon haben, wie die Schule in der Pandemie organisiert werden sollte. Generell wurde gefordert, den derzeit laufenden Wechselunterricht (die Hälfte der Klasse wird wochen- oder tageweise wechselnd zu Hause beschult) zu verlängern, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Bei der Diskussion wurde deutlich, dass der Gesundheitsschutz für die Anwesenden an oberster Stelle stehen muss. Allerdings wurde auch gesagt, dass geteilte Klassen und Maskenpflicht, die im Sinne des Gesundheitsschutzes notwendig wären, in der Grundschule aus pädagogischen und entwicklungspsychologischen Gründen nur schwer umsetzbar sind. „Wir sind eben in einem ständigen Spagat zwischen unserem Bildungsauftrag einerseits und dem Primat des Gesundheitsschutzes andererseits – den es einfach auszuhalten gilt und den man immer im Sinne unserer uns anvertrauten Schüler_innen lösen muss“, meinte im Laufe der Diskussion Barbara Watteroth-Mann, die Geschäftsführerin des Kreisverbandes

Kritisiert wurde weiterhin das Vorhaben des Kultusministeriums, das laufende Schuljahr als „normales“ Schuljahr zu behandeln, was Prüfungen und Leistungsbeurteilung betrifft. Die Mitglieder forderten einstimmig, dass Lernstandserhebungen ausgesetzt werden und dass die Abschlussprüfungen in diesem Jahr entfallen. Zudem sollten generell bei der Notengebung im Zeugnis die pandemiebedingten unterschiedlichen Unterrichtsbedingungen( z. B. Unterrichtsausfall durch den eingeschränkten Regelunterricht organisatorische und methodische Einschränkungen in einzelnen Fächern ) berücksichtigt werden. In der jetzigen Pandemie, die ohnehin die sozialen Ungleichheiten noch weiter verschärft, sei dies ein Beitrag nicht nur zur Entlastung von Schüler_innen .

Als besonderes Ärgernis wurde benannt, dass weiterhin konfessioneller Religionsunterricht oder andere verkurste Fächer (z.B. die zweite Fremdsprache) nicht im Klassenverband unterrichtet werden dürfen. Dies würde das Infektionsrisiko unnötig erhöhen.

Ein besonderes Interesse und große Besorgnis gilt der Situation in den Kindertagesstätten und den dort arbeitenden Erzieher:innen. Auch hier sollten alle erforderlichen Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten erfolgen.

Abschließend wurde deutlich gemacht, dass alte GEW-Forderungen nun neue Bedeutung und Rechtfertigung bekommen: Keine Klasse größer als 20 Schüler_innen, 20 Pflichtstunden höchstens für alle Lehrämter. Solche Bedingungen wären pädagogisch sinnvoll, würden bessere Arbeitsbedingungen gewährleisten und würden auch dem Gesundheitsschutz dienen.